Handballspieler kündigen Gründung einer Spielergewerkschaft an
27.07.10
„Die Spielerorganisation wird kommen!“ - so die Handballnationalspieler Jogi Bitter und Torsten Jansen in einem Interview mit der Sportzeitung “Handballwoche“.
Somit organisiert sich nach Fußball (VDV) und Basketball die dritte deutsche Profisportlergruppe in einer Arbeitnehmervereinigung.
SP.IN steht seit einiger Zeit mit seinen Kollegen aus dem Handball in Verbindung und unterstützt sie in ihren Anstrengungen.
Beide Seiten sind sich einig, in Zukunft in vielen Bereichen zusammen zu arbeiten.
Das ganze Interview hier:
Interview mit Torsten Jansen und Johannes Bitter
„Die Spielerorganisation wird kommen!“
Die Spieler der Handball-Bundesliga schwitzen bereits wieder für die kommende Saison. Grundlagentraining für den Spiele-Marathon, der bis zum nächsten Sommer kaum Ruhepausen kennt. Die Handballwoche sprach mit Torsten Jansen (33) und Johannes Bitter (27), zwei der bekanntesten Nationalspieler Deutschlands und Leistungsträger des HSV, über die hohe Belastung, Probleme und Konsequenzen.
HW: Die Sommerpause ist vorbei, wie viele Tage Urlaub hatten Sie in der letzten Saison?
Jansen: Erstmal muss man sagen, dass ich mich sehr auf die neue Saison freue, auch wenn der Rhythmus sehr anstrengend ist. Urlaub gibt es für die Nationalspieler nur im Sommer. In diesem Jahr wurde die sechswöchige Sommerpause der Vereine durch Maßnahmen der deutschen Nationalmannschaft auf drei Wochen verkürzt. Diese Maßnahmen habe ich aufgrund der zu hohen Belastung abgesagt. Drei Wochen reichen nicht aus um körperlich zu regenerieren, geschweige denn um mental abschalten zu können. Außerdem kann sich kein Spieler erlauben ohne Training in die Saisonvorbereitung einzusteigen, effektiv bleiben dann gerade mal 10-12 Tage trainingsfrei.
Bitter: Während der Saison haben wir kaum einen freien Tag, sehr selten zwei freie Tage am Stück und nie ein freies Wochenende. Gerade durch den vollen internationalen Kalender ist die Situation im Handball extremer als in vielen anderen Sportarten.
HW: Wo sehen Sie die größten Probleme?
Jansen: Ein großes Problem ist die geistige Frische. Der Kopf steuert alles, und wenn ein paar Prozent Motivation und Konzentration fehlen, steigt die Verletzungsanfälligkeit erheblich. Manchmal muss man einfach die Notbremse ziehen und wie Jogi und ich in diesem Sommer die Nationalmannschaft hinten anstellen. Durch die Überbelastung sinkt ja auch das Niveau auf dem Spielfeld – und darunter leiden letztlich auch die Zuschauer!
HW: Die Vereine und Verbände wissen ja um das Problem...
Bitter: Und wir wissen natürlich auch um die wirtschaftlichen und marketingtechnischen Zwänge der Vereine und Verbände, schließlich reden wir hier über professionellen Sport. Dennoch sind wir an einer Grenze angekommen, an der die Schraube wieder bewusst zurück gedreht werden muss, wohlwissend, dass eine Lösung nur in Zusammenarbeit mit HBL, EHF und IHF gefunden werden kann! In den internationalen Verbänden werden die Rahmenterminpläne für die nächsten Jahre gemacht, an die sich auch die HBL halten muss. Und die Spieler, die davon am ehesten betroffen sind, haben bis jetzt keinerlei Möglichkeit mitzureden oder Einfluss zu nehmen und werden somit zum Spielball der Funktionäre.
HW: Warum tut sich so wenig, obwohl doch die deutschen Nationalspieler ebenso wie ausländische Bundesliga-Stars und andere wichtige Personen wie zum Beispiel Heiner Brand immer wieder eine Entlastung der Athleten fordern?
Jansen: Weil ein jeder für sich alleine an seiner Front kämpft. Jeder beschwert sich und fordert Veränderungen, hat aber nicht die Möglichkeit und die Macht, um wirkliche Veränderungen zu bewirken. Was fehlt, ist eine Vertretung der Aktiven in den entscheidenden Gremien des DHB und der HBL sowie auch international, die die Interessen der Spieler wahrnimmt und schützt. Zurzeit sind wir Sportler doch das schwächste Glied in einer Kette und müssen funktionieren. Es ist höchste Zeit, dass wir selbst Verantwortung für das übernehmen, was mit uns passiert.
HW: Stimmt es, dass Sie mit anderen Aktiven eine Interessenvertretung für Handballspielerinnen und Spieler in Deutschland gründen wollen?
Bitter: Es stimmt, dass wir die Planungen vorantreiben. Dies ist eine notwendige Konsequenz. Fakt ist, dass der Körper das Kapital des Sportlers ist. Und zurzeit wird damit nicht sehr sorgsam umgegangen. Viele andere Sportarten und Länder haben bereits funktionierende Aktivenorganisationen und sind ein gutes Beispiel wie zum Beispiel die Fußballer und Basketballer in Deutschland, die Handballer in Dänemark, ja selbst innerhalb der NBA werden die Spieler von ihrer Organisation vertreten.
HW: Gibt es überhaupt genügend Unterstützung für ein wirklich einflussreiches Organ?
Jansen: Die Initiative zur Verhinderung eines Spieltages am 1./2. Januar 2011 in der HBL, der sich alle Bundesligaspieler angeschlossen haben, zeigt, dass der Wunsch nach einer Interessenvertretung groß ist! Wenn die Spieler so zusammenhalten wird in der stärksten Liga der Welt ein mächtiges Sprachrohr entstehen.
HW: Welche Ziele verfolgt diese Spielervereinigung?
Bitter: Das übergeordnete Ziel ist sicher, bei allen wichtigen Entscheidungen mit am Tisch zu sitzen und dort die Interessen der Aktiven zu wahren – national wie auch international in Verbindung mit den europäischen Partnerorganisationen. Es gilt aber weitere Aufgabenfelder zu besetzen wie zum Beispiel Hilfe bei medizinischen oder rechtlichen Problemen. International müssen einheitliche Regeln im Antidopingkampf erreicht werden, die den Aktiven nicht in seinen Persönlichkeitsrechten beschneiden. Auch Möglichkeiten zu beruflichen Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten sollen aufgezeigt werden.
HW: Wann können wir mit der Gründung einer Spielervereinigung rechnen?
Bitter: Wir arbeiten mit viel Leidenschaft und Herzblut an einem starken und operationsfähigen Organ, welches die Sportler in ihren Rechten und Pflichten berät, unterstützt und zusammenführt. Die Pläne sind so weit gereift, dass es vielleicht schon vor Saisonbeginn Ende August Konkreteres zu berichten gibt. Eins ist klar: Eine Handballspielerorganisation als Fixpunkt für alle weiblichen und männlichen Lizenzspieler wird kommen!
Jansen: Jeder aktive Lizenzspieler, jede Spielerin, mit dem bzw. der bisher gesprochen wurde, war hellauf begeistert. Es gibt eine breite Zustimmung und Unterstützung für die gemeinsame Idee, die sich schnell in Mitgliedschaften umsetzen muss, damit das Organ optimal handlungsfähig wird. Je mehr wir sind, desto stärker sind wir auch!
Das Interview führte Nils Weber
„Die Spielerorganisation wird kommen!“
Die Spieler der Handball-Bundesliga schwitzen bereits wieder für die kommende Saison. Grundlagentraining für den Spiele-Marathon, der bis zum nächsten Sommer kaum Ruhepausen kennt. Die Handballwoche sprach mit Torsten Jansen (33) und Johannes Bitter (27), zwei der bekanntesten Nationalspieler Deutschlands und Leistungsträger des HSV, über die hohe Belastung, Probleme und Konsequenzen.
HW: Die Sommerpause ist vorbei, wie viele Tage Urlaub hatten Sie in der letzten Saison?
Jansen: Erstmal muss man sagen, dass ich mich sehr auf die neue Saison freue, auch wenn der Rhythmus sehr anstrengend ist. Urlaub gibt es für die Nationalspieler nur im Sommer. In diesem Jahr wurde die sechswöchige Sommerpause der Vereine durch Maßnahmen der deutschen Nationalmannschaft auf drei Wochen verkürzt. Diese Maßnahmen habe ich aufgrund der zu hohen Belastung abgesagt. Drei Wochen reichen nicht aus um körperlich zu regenerieren, geschweige denn um mental abschalten zu können. Außerdem kann sich kein Spieler erlauben ohne Training in die Saisonvorbereitung einzusteigen, effektiv bleiben dann gerade mal 10-12 Tage trainingsfrei.
Bitter: Während der Saison haben wir kaum einen freien Tag, sehr selten zwei freie Tage am Stück und nie ein freies Wochenende. Gerade durch den vollen internationalen Kalender ist die Situation im Handball extremer als in vielen anderen Sportarten.
HW: Wo sehen Sie die größten Probleme?
Jansen: Ein großes Problem ist die geistige Frische. Der Kopf steuert alles, und wenn ein paar Prozent Motivation und Konzentration fehlen, steigt die Verletzungsanfälligkeit erheblich. Manchmal muss man einfach die Notbremse ziehen und wie Jogi und ich in diesem Sommer die Nationalmannschaft hinten anstellen. Durch die Überbelastung sinkt ja auch das Niveau auf dem Spielfeld – und darunter leiden letztlich auch die Zuschauer!
HW: Die Vereine und Verbände wissen ja um das Problem...
Bitter: Und wir wissen natürlich auch um die wirtschaftlichen und marketingtechnischen Zwänge der Vereine und Verbände, schließlich reden wir hier über professionellen Sport. Dennoch sind wir an einer Grenze angekommen, an der die Schraube wieder bewusst zurück gedreht werden muss, wohlwissend, dass eine Lösung nur in Zusammenarbeit mit HBL, EHF und IHF gefunden werden kann! In den internationalen Verbänden werden die Rahmenterminpläne für die nächsten Jahre gemacht, an die sich auch die HBL halten muss. Und die Spieler, die davon am ehesten betroffen sind, haben bis jetzt keinerlei Möglichkeit mitzureden oder Einfluss zu nehmen und werden somit zum Spielball der Funktionäre.
HW: Warum tut sich so wenig, obwohl doch die deutschen Nationalspieler ebenso wie ausländische Bundesliga-Stars und andere wichtige Personen wie zum Beispiel Heiner Brand immer wieder eine Entlastung der Athleten fordern?
Jansen: Weil ein jeder für sich alleine an seiner Front kämpft. Jeder beschwert sich und fordert Veränderungen, hat aber nicht die Möglichkeit und die Macht, um wirkliche Veränderungen zu bewirken. Was fehlt, ist eine Vertretung der Aktiven in den entscheidenden Gremien des DHB und der HBL sowie auch international, die die Interessen der Spieler wahrnimmt und schützt. Zurzeit sind wir Sportler doch das schwächste Glied in einer Kette und müssen funktionieren. Es ist höchste Zeit, dass wir selbst Verantwortung für das übernehmen, was mit uns passiert.
HW: Stimmt es, dass Sie mit anderen Aktiven eine Interessenvertretung für Handballspielerinnen und Spieler in Deutschland gründen wollen?
Bitter: Es stimmt, dass wir die Planungen vorantreiben. Dies ist eine notwendige Konsequenz. Fakt ist, dass der Körper das Kapital des Sportlers ist. Und zurzeit wird damit nicht sehr sorgsam umgegangen. Viele andere Sportarten und Länder haben bereits funktionierende Aktivenorganisationen und sind ein gutes Beispiel wie zum Beispiel die Fußballer und Basketballer in Deutschland, die Handballer in Dänemark, ja selbst innerhalb der NBA werden die Spieler von ihrer Organisation vertreten.
HW: Gibt es überhaupt genügend Unterstützung für ein wirklich einflussreiches Organ?
Jansen: Die Initiative zur Verhinderung eines Spieltages am 1./2. Januar 2011 in der HBL, der sich alle Bundesligaspieler angeschlossen haben, zeigt, dass der Wunsch nach einer Interessenvertretung groß ist! Wenn die Spieler so zusammenhalten wird in der stärksten Liga der Welt ein mächtiges Sprachrohr entstehen.
HW: Welche Ziele verfolgt diese Spielervereinigung?
Bitter: Das übergeordnete Ziel ist sicher, bei allen wichtigen Entscheidungen mit am Tisch zu sitzen und dort die Interessen der Aktiven zu wahren – national wie auch international in Verbindung mit den europäischen Partnerorganisationen. Es gilt aber weitere Aufgabenfelder zu besetzen wie zum Beispiel Hilfe bei medizinischen oder rechtlichen Problemen. International müssen einheitliche Regeln im Antidopingkampf erreicht werden, die den Aktiven nicht in seinen Persönlichkeitsrechten beschneiden. Auch Möglichkeiten zu beruflichen Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten sollen aufgezeigt werden.
HW: Wann können wir mit der Gründung einer Spielervereinigung rechnen?
Bitter: Wir arbeiten mit viel Leidenschaft und Herzblut an einem starken und operationsfähigen Organ, welches die Sportler in ihren Rechten und Pflichten berät, unterstützt und zusammenführt. Die Pläne sind so weit gereift, dass es vielleicht schon vor Saisonbeginn Ende August Konkreteres zu berichten gibt. Eins ist klar: Eine Handballspielerorganisation als Fixpunkt für alle weiblichen und männlichen Lizenzspieler wird kommen!
Jansen: Jeder aktive Lizenzspieler, jede Spielerin, mit dem bzw. der bisher gesprochen wurde, war hellauf begeistert. Es gibt eine breite Zustimmung und Unterstützung für die gemeinsame Idee, die sich schnell in Mitgliedschaften umsetzen muss, damit das Organ optimal handlungsfähig wird. Je mehr wir sind, desto stärker sind wir auch!
Das Interview führte Nils Weber

